Psychiatrische Pflege
Lange Jahre stand die Psychiatrische Pflege im Schatten der somatisch orientierten Krankenpflege. Sie war eng verbunden mit der Vorstellung von Sicherheitsverwahrung, mit Medikamentenvergabe hinter verschlossenen Türen und mit scheinbar unberechenbaren Patienten. Die Vorurteile, welche die psychiatrischen Patienten damals als "verrückt" abstempelten, trafen auch die Menschen, die sie pflegten.
Forderungen der Psychiatrie – Enquete im Jahr 1975 waren der Anstoß für eine umfassende Reformbewegung während der auch die Pflege eine beachtliche Entwicklung nahm. Die Kliniken verloren zunehmend ihren Anstaltscharakter und wurden zu therapeutischen Zentren, in denen die Pflege langsam einen eigenständigen Bereich einnahm. Die Psychiatrische Klinik ist seit dem 21. März 1978 an der Weiterbildung für Psychiatrische Pflegekräfte beteiligt.
Im Rahmen der sich etablierenden Sozialpsychiatrie bekam die Pflege verstärkt ihren Platz im Therapeutischen Team. Die in Kraft getretene Psychiatrie-Personal-Verordnung schrieb erstmals in der Geschichte der deutschen Psychiatrischen Krankenpflege deren Kompetenz und Aufgabenvielfalt gesetzlich fest. So kam es zu einer deutlichen Verbesserung der bis dahin schwierigen Personalsituation. Durch die Umsetzung der PsychPV wurde ein enormer Qualitätszuwachs innerhalb der stationären Psychiatrie erreicht.
In diesem Rahmen festigen und erweitern Pflegende die Ressourcen eines psychisch erkrankten Menschen. Sie gelten dabei als Experten im Alltag der Patienten, indem sie sich mit der Unterstützung bei der Bewältigung von Defiziten im alltäglichen Leben der Patienten befassen. Sie entwickeln mit den Patienten Bewältigungsstrategien und üben sie mit ihnen ein – ohne zu deuten ohne zu analysieren. Damit grenzt sich die pflegerische Arbeit von den verschiedenen Therapieformen anderer Bereiche innerhalb der psychiatrischen Institution ab.
Die Art und Weise, wie MitarbeiterInnen den psychischen Veränderungen unserer Patienten begegnen, ist aber auch durch eine persönliche Haltung sowie durch ein modernes Pflegeverständnis bestimmt. Dieses Verständnis hat sich in unserem Hause in den vergangenen Jahren grundlegend positiv entwickelt.
Damit die Vielzahl der genannten Aufgaben in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums der Universität München erfüllt werden können, bieten wir unseren Pflegekräften breitgefächerte Fortbildungsmöglichkeiten, ein gutes Arbeitsklima, Anleitung und Unterstützung in der Pflegepraxis durch eine Qualitätsberatung sowie eine strukturierte Einarbeitung und Anleitung für neue MitarbeiterInnen durch MentorInnen. Seit über 30 Jahren ist die Weiterbildung für Psychiatrische Pflege im Verbund mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie und der Psychiatrischen Klinik der TU ein Garant für Aktualität und Qualität der Pflege in unserem Haus. Die Ausbildung des Berufsnachwuchses von 6 externen Krankenpflegeschulen nehmen wir ebenso ernst wie die Begleitung der WeiterbildungsteilnehmerInnen während ihrer Einsätze. Ein modernes Dokumentationswesen ermöglicht allen MitarbeiterInnen der Klinik einen umfassenden Einblick in den pflegetherapeutischen Prozess.
Natürlich gehört es auch zu dem Tätigkeitsfeld der Pflegekräfte, sich mit dem Auftrag und den Gegebenheiten einer Universitätsklinik auseinander zu setzen. So bietet unser Haus die Möglichkeit, neueste Diagnostik- und Behandlungsmethoden bei schwierigsten Krankheitsbildern und -verläufen kennen zu lernen und in Forschungsprojekten und Lehre einer der größten psychiatrischen Universitätsklinik Deutschlands eingebunden zu sein.