Startseite » Über uns » Ambulanter Bereich » Tourette-Ambulanz

Tourette-Ambulanz

Leitung

Dr. Richard Musil

Mitarbeiter

Dr. med. Elif Weidinger, Dr. med. Lisa Löhrs, M. Sc. Julia Winter, Mag. rer. nat. Bianka Leitner, B.Sc. Jaana Schnell


Tics sind unwillkürliche, rasche, meist plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen oder Lautäußerungen. Tic-Störungen können vorübergehend sein und sich in einfachen motorischen Tics wie Augenzwinkern, Kopfschütteln oder –nicken und Schulterzucken äußern. Komplexere motorische Tics sind zum Beispiel Hüpfen, Treten oder Springen. Unter einfachen vokalen Tics versteht man bestimmte Laute wie häufig auftretendes Räuspern oder Hüsteln. Bei komplexen vokalen Tics handelt es sich beispielsweise um Summen, Pfeifen oder das Wiederholen von Silben oder Wörtern. Liegen motorische und vokale Tics vor, spricht man vom Tourette-Syndrom. Die Erkrankung wurde nach dem Erstbeschreiber Georges Gilles de la Tourette benannt, einem französischen Arzt.

Das Tourette-Syndrom geht nicht selten mit Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS ) oder Zwängen einher. Auch emotionale Störungen können auftreten.

Dieses Zitat veranschaulicht Ihnen die Erkrankung:
„Ich begriff, dass dieses Hüpfen in seinem Körper herumirrte, dass es versuchte, hier und da auszubrechen. Ich verstand seine Angst vor den Leuten, und ich begann selber vorsichtig zu prüfen, ob die Vorübergehenden etwas merkten.“
Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge


Hier beantworten wir Ihnen die wichtigsten Fragen zu unserer Ambulanz:

Wer ist bei uns richtig?

Die Spezialambulanz richtet sich an alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die an einer Tic-Störung leiden oder bei denen eine Tic-Störung vermutet wird sowie an deren Angehörige.

Muss ich bereits die Diagnose haben? 

Da wir sowohl Beratung, Diagnostik und die Behandlung der Symptomatik anbieten, ist die Diagnose keine Bedingung für einen Termin bei uns. Wenn Ihr Erstvorstellungstermin in eine Phase der Symptomfreiheit fallen sollte, wollen wir Sie dazu ermutigen, den Termin trotzdem wahrzunehmen, da ein Verlauf in Schüben typisch für eine Tic-Störung ist. 

Was passiert bei uns in der Ambulanz?

Unser Ziel ist es, eine gründliche und fachkundige Beratung, Diagnostik und Behandlung zu bieten, gerne auch in enger Zusammenarbeit mit Ihrem Behandler vor Ort.  

Da die Art und Schwere der Symptomatik je nach Patient sehr variabel sein kann, ist eine ausführliche Diagnostik sowohl zu Beginn als auch im Verlauf erforderlich, um gegebenenfalls eine speziell ausgerichtete Therapie planen bzw. anpassen zu können. Zentrale Bausteine sind:

•    Anamnese und Fragebogendiagnostik
•    Körperlich-medizinische Diagnostik
•    Gegebenenfalls neuropsychologische Testdiagnostik

Je nach den Ergebnissen der diagnostischen Untersuchungen, beraten und informieren wir die Betroffenen und ihre Angehörigen über mögliche Therapieoptionen, um ein gemeinsames Therapiekonzept zu erstellen. In unserer Klinik stehen uns folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:
•    Psychopharmakologische Therapie und andere medikamentöse Therapien
•    Verhaltenstherapie (Habit Reversal, Exposure und Response Prevention)
•    Tiefe Hirnstimulation
•    Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)

Wie häufig muss ich in die Ambulanz?

Die Anzahl der Termine und deren Abstand hängt stark vom individuellen Therapiekonzept sowie der Art und Schwere der Symptomatik ab.
Wir bieten sowohl einmalige Termine zur Beratung an als auch die genannten Therapieoptionen. Um die Behandlungsmöglichkeiten langfristig zu optimieren und zu gewährleisten, bitten wir unsere Patienten inständig an Studien teilzunehmen und entsprechende Termine wahrzunehmen.   

Muss ich mich vorher anmelden und/oder brauche ich eine Überweisung?

Eine vorherige Anmeldung ist nötig. Auf eine Überweisung kann verzichtet werden. Die Terminvereinbarung ist unter 089/4400-53307 täglich von 09.00 Uhr bis 17.00 Uhr möglich.

Kann ich an Studien teilnehmen?

Ja! Um den Wissensstand über Tic-Störungen und das Tourette-Syndrom zu erweitern, gibt es verschiedene Forschungsprojekte, an denen Betroffene teilnehmen können:
•    EMTICS
European Multicentre Tics in Children Study (www.emtics.eu )
•    ALLTICS
Beide Studien beschäftigen sich mit der Frage, welche Rolle das Immunsystems und bestimmte Infektionen bei der Entstehung von Tic-Störungen einnehmen.
•    ONLINE-TICS
Die Studie überprüft die Wirksamkeit eines online-basierten verhaltenstherapeutischen Trainings (Habit-Reversal).
•    Studie zur Fahreignung bei Tic-Störungen
Im Rahmen der Studie werden Auswirkungen von Tics auf die Fahreignung untersucht. Für Betroffene besteht die Möglichkeit, die eigene Fahrtauglichkeit  zu testen.


Kontakt

Bei Fragen können Sie gerne unser Team der Tourette-Ambulanz kontaktieren.
Sprechzeiten jeden Dienstag 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Terminvereinbarung täglich von 9:00  -  12:00   u.  14:00  -  15:00 Uhr unter Telefon 089/4400-53307

Klinikum der Universität München
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Tourette-Ambulanz
Raum A012
Nussbaumstraße 7
80336 München